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PAPST/ Lobkowicz: Die große Alternative von Papst Benedikt XVI.: das Geheimnis oder die Sinnlosigkeit

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Christian Wulff und Benedetto XVI (Ansa)  Christian Wulff und Benedetto XVI (Ansa)

Da er zu Menschen sehr verschiedener Überzeugung sprach, hat der Papst fast wie ein Philosoph, natürlich ein christlicher, nicht primär wie ein Theologe gesprochen  Das ist ihm insofern leicht gefallen, als Ratzinger – ähnlich wie vor einem halben Jahrhundert Hans Urs von Balthasar oder Henri de Lubac – einer der gebildetsten Menschen unserer Zeit, auch einer der Gebildetsten der langen Geschichte der Bischöfe von Rom ist. Als den zentralen Gedanken seiner Rede würde ich die Einsicht sehen, dass man bis zu einem bestimmten Punkt nicht ein gläubiger Christ sein muss, um zu erkennen, was recht und gerecht ist, was dem Menschen zusteht und was nicht. Eben deshalb hat seine Rede auch Abgeordnete beeindruckt, die vom christlichen Glauben nichts wissen wollen. Sie hätte wohl auch jene beeindruckt, die seine Rede nicht hören wollten und deshalb fernblieben. Mehrheiten können nicht darüber entscheiden, was wahr oder falsch, gerecht oder ungerecht ist, dem Menschen gut tut oder Schaden anrichtet. Dazu bedarf es der richtigen Einsicht in das Wesen der Wirklichkeit und zumal des Menschen – einer Einsicht, deren Möglichkeit und Dringlichkeit die Katholische Kirche stets bejaht hat. Der christliche Glaube verneint diese Einsicht nicht, sondern vollendet sie.

Der Heilige Vater erwähnte mehrmals das „fügsame Herz“ (wörtlich das „hörende Herz“). Das Herz wird als ‚Vernunft‘ aber auch als ‚Gewissen‘ definiert. Ist dieser Begriff nicht ein bisschen... verwirrend? Warum?

Es gibt zwei Umschreibungen dessen, was man `Gewissen´ nennt. Einerseits wird Gewissen als eine mahnende und in Zweifelfall verurteilende Stimme im Hintergrund unseres Bewusstseins beschrieben; andererseits meint man mit diesem Begriff eine Folgerung, aufgrund deren wir wissen können, welche unserer Handlungen sittlich oder unsittlich, falsch oder richtig wäre bzw. war. Bei der letzteren Umschreibung spielt Vernunft eine entscheidende Rolle. Wenn man überlegt, was das Vernünftige ist oder wäre, sucht man nach der richtigen Handlungsweise. Nur muss man dabei eben beachten, dass `vernünftig´ und `richtig´ in diesem Falle etwas völlig Anderes als `schlau´ oder `erfolgsversprechend´ oder ähnlich bedeutet. Vernünftig sind in diesem Sinne jene Entscheidungen und Handlungen, die alles, was berücksichtigt werden muss, auch wirklich einbeziehen, etwa dass Gott uns mit unserem Wesen auch eine sittliche Ordnung geschenkt hat und dass wir diese Ordnung beachten und in jede unserer Entscheidungen einbeziehen sollten.

Meint der Papst dies, wenn er vom „hörenden Herz” spricht?

Worauf der Papst mit dem Hinweis auf unser „hörendes Herz“ anspielt, ist genau dies: wenn wir auf unser Gewissen hören, hören wir auf die Vernunft in diesem Sinne. Dies setzt natürlich voraus, dass wir nicht auf Prämissen einer Ideologie hören, welche die Wirklichkeit verfälscht. Im Grunde kennt das jeder von uns: wir wissen, was „das Richtige“ wäre, reden uns aber ständig ein, dass etwas Anderes richtig wäre, oft so lange, dass unser Gewissen „verstummt“, seine mahnende Stimme nicht mehr zu hören ist. Wenn ich jemand quäle oder umbringe, meine Frau betrüge oder etwas stehle, weiß ich – unabhängig von meiner Weltanschauung - im Grunde immer, das es „nicht richtig“ ist; bloß rede ich mir ein, unter den Voraussetzung meiner Umstände sei es doch richtig oder gar geboten. Dabei weiß ich genau, dass ich mir etwas vormache, aber „überspiele“ es sozusagen, rede mir etwas ein, belüge mich.

Im ersten Teil seiner Rede sagt der Papst, dass das, „was recht ist“ nicht mehr evident ist. Welchen Weg sollen wir gehen bzw. welcher Methode sollen wir folgen, um diese Evidenz zurück zu gewinnen? Wie können wir postmoderne Menschen diesen Weg finden?



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