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PAPST/ Lobkowicz: Die große Alternative von Papst Benedikt XVI.: das Geheimnis oder die Sinnlosigkeit

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Christian Wulff und Benedetto XVI (Ansa)  Christian Wulff und Benedetto XVI (Ansa)

Was ich eben dargestellt habe, ist durch den Schwund der christlichen Traditionen in unserer Kultur immer weniger deutlich zu erkennen. Seit dem Mittelalter (Ratzinger hat seine Habilitationsarbeit an der Universität München über Bonaventura geschrieben) sind immer häufiger Philosophien oder allgemeiner Denkweisen entstanden, die christliche Traditionen und damit auch die vom Christentum aufgegriffenen Teile des Denkens der vorchristlichen Antike ausgeblendet und sozusagen verleugnet haben. Dies hat auch einen Schwund oder doch eine Verwässerung der traditionellen Überzeugungen davon, was „richtig“ ist, bewirkt. Ich halte die Redewendung von der „Postmoderne“ im Grunde für ein Geschwätz. Denn der Bruch ist sehr viel älter, zumal in der deutschen Kultur. Denker wie Kant, Hegel oder Nietzsche, die allerlei Richtiges zu sagen hatten, aber doch in wesentlichen Fragen die Wahrheit verdunkelt haben, haben die deutsche Kultur maßgeblich geprägt. Obwohl etwa Hegel entsetzt gewesen wäre, wenn er die Ideologie der Nationalsozialisten oder Kommunisten kennen gelernt hätte, gehen so manche Überzeugungen der Gegenwart insbesondere in deutschsprachigen Ländern auf ihn und seine Erben zurück. Dadurch ist die Katholische Kirche in so mancher Hinsicht fast zur einzigen Institution geworden, die die großen Einsichten der abendländischen Kultur wach hält. Ich meine deshalb, dass die richtigen Überzeugungen darüber, was wahr, bedeutsam, richtig und recht ist, nur dadurch zurückzugewinnen sind, dass die Welt und zumal die deutschsprachigen Länder wieder „katholischer“ werden.

Was meinen Sie damit?

Ich meine damit nicht unbedingt, dass alle Katholiken werden müssten. Aber es geht um eine Denkweise, die nur Katholiken – und zu wesentlichem Teil auch gläubige Orthodoxe und Anglikaner – fortsetzen. Freilich möchte ich nicht ausschließen, dass wir uns einer Zeit nähern, die in der christlichen Tradition als jene des Antichristen beschrieben werden. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat etwa die von Wladimir Solowjew um 1900 dargestellte Vision vom Antichristen besondere Aktualität gewonnen. Vielleicht ist das Ende der Menschheitsgeschichte, das „Ende der Welt“ näher, als wir gemeinhin denken ...

Ist es notwendig, sich auf die schöpferische Vernunft Gottes zu beziehen, um Vernunft und Natur zu verbinden?

Weil letztlich nur die Vorstellung, dass Gott der Schöpfer einerseits aller Weltwirklichkeiten und andererseits eben auch unseres Verstandes ist, erlaubt, beides als aufeinander hingeordnet zu sehen. Wenn wir nichts als durch Zufall hochentwickelte Affen sind, leben wir in einer Welt, in der es allein um Überleben gehen kann – und der Mensch nicht immer überleben wird. Nur wenn man annimmt, dass Gott die Welt um des Menschen willen erschaffen hat, macht unsere Existenz in dieser Welt überhaupt einen Sinn. Für denjenigen, der in uns nur einen zufällig höherentwickelten Affen sieht, also alles nur dem Zufall einer blinden Evolution, die auch hätte ganz anders ausgehen können, zu verdanken ist, kann es keinen „objektiven“ Sinn der Existenz des Menschen geben. Dann sind wir eben nicht mehr als ein Zufallsprodukt, das eines Tages wieder verlöschen, verschwinden wird. Dann macht alles keinen Sinn – und ist der Mensch nichts als ein Prometheus, der eines Tages wieder verschwinden wird. Ich wundere mich zuweilen, wie Menschen eine solche Vorstellung überhaupt ertragen können; vermutlich können sie sie nur ertragen, weil sie sie nie zuende gedacht haben. Es gab – gerade im vergangenen Jahrhundert - Menschen, die angesichts dieser Vision Selbstmord begingen, sozusagen mit der Vorstellung, das Einzige, in dem wir uns noch bewähren, uns unsere Einmaligkeit beweisen könnten, bestehe darin, dass wir das einzige Lebewesen auf Erden sind, das sich selbst willentlich und wissentlich „abschaffen“ kann. Dostojewski hat diese Sicht der Dinge sehr eindringlich in seinem Roman Dämonen beschrieben ...

Warum hat der Papst von der „ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren” gesprochen? Was ist die Bedeutung dieser Bezugnahme?



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