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PAPST/ Lobkowicz: Die große Alternative von Papst Benedikt XVI.: das Geheimnis oder die Sinnlosigkeit

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Christian Wulff und Benedetto XVI (Ansa)  Christian Wulff und Benedetto XVI (Ansa)

Schon Johannes Paul II. hatte von einer Pflicht des Christen gesprochen, die Umwelt vor Zerstörung zu bewahren, anstatt sie bloß auszunützen, bis nichts mehr übrig bleibt. Man darf nicht übersehen, dass die Bewegung und Partei der „Grünen“ in Deutschland zwar ursprünglich z.T. von Marxisten ausging, aber auch viele Christen angezogen hat, die die Zerstörung der Umwelt besorgt gemacht hat. Ich kenne selbst einige Grüne, die überzeugte Christen sind. Das Anliegen einer Bewahrung der Schöpfung ist mehr als bloß eine Sentimentalität; schließlich wollen wir alle in einer Welt leben, die nicht völlig ihre Ursprünglichkeit verloren hat. Dahinter  steht auch die Sorge um die Ernährung der ständig wachsenden Menschheit ...

Warum ist die Naturrechtslehre nicht mehr so beliebt im katholischen Denken?

Das ist in der Tat ein Problem; ich würde es als eine bedenkliche „Protestantisierung“ von Teilen der katholischen Theologen und der von ihnen gelehrten Theologie beschreiben. Es gehört zur großen Tradition katholischer Theologie, die Naturrechtslehre als eine bedeutsame Voraussetzung und Implikation der Auslegung des Glaubens anzusehen. Das die Bereitschaft, sich mit diesem Thema zu befassen, schwindet, hat m.E. zwei Gründe: erstens den Einfluss in dieser Hinsicht agnostischer Protestanten („Allein die hl. Schrift zählt!“); und zweitens moderne Entwicklungen des Naturrechts, die ganz anders argumentieren als die christliche Tradition. Es kommt freilich auch hinzu, dass es nicht einfach ist, die klassische Naturrechtslehre der Katholischen Kirche weiterzuentwickeln; alles Wesentliche scheint schon gesagt worden zu sein. Die Bedeutung der Naturrechtslehre scheint mir vor allem darin zu bestehen, dass sie der Vorstellung widerspricht, es gäbe nur zwei Alternativen: moderne, oft völlig positivistische Naturwissenschaft und blinden, nahezu irrationalen Glauben. Schon lange, bevor er Papst wurde, hat Ratzinger die Bedeutung der dritten Alternative betont: Naturrechtslehre als Darstellung dessen, was sich aus dem rechtverstandenen Wesen des Menschen ergibt. Es geht darum, nicht eine bestimmte Sicht des Menschen zu vergessen: des Menschen als eines Geschöpfs, dem der christliche Glaube nicht etwa widerspricht, sondern den der Glaube vollendet ...

Der Papst sagte letzten Freitag während des ökumenischen Gottesdienstes in Erfurt: „Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben”. Was bedeutet dies für den interreligiösen Dialog im christlichen Europa?

Bevor der Papst nach Deutschland kam, gab es in Deutschland und Österreich eine lebhafte, ja erregte Diskussion. Einerseits haben Protestanten gehofft, dass der Papst sozusagen Luther (und Calvin und Zwingli) wenigstens z.T. heilig spricht; andererseits gab es eine Bewegung unter katholischen Theologen, die das Zölibat abschaffen und am Ende sogar Frauen zu Priestern weihen lassen wollen. Dem gegenüber hat Benedikt XVI. betont, dass die Einheit der Christen bzw. deren Wiederherstellung am Ende nicht ein Werk der Menschen sein kann, also nicht – wie bei politischen Fragen - durch Verhandlungen und Kompromisse zu erreichen ist. Nur der Hl. Geist, nicht Verhandlung unter uns Menschlein kann den Weg weisen. Zugleich waren die Worte des hl. Vaters wohl auch ein Hinweis darauf, „wie weit wir schon gekommen sind“. Noch vor einem halben Jahrhundert wäre ein gemeinsames ökumenisches Gebet wie jenes in Erfurt undenkbar gewesen. Die Worte des Papstes, das Sie zitiert haben, erinnert an den „langen Atem“, der immer schon für die Katholische Kirche kennzeichnend war – die Bereitschaft offenen Herzens zuzuwarten, bis der Herr uns den Weg weist.




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