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OSTERN/ Oster (ernannter Bischof von Passau): So rettet uns der Auferstandene von leblosen "Wahrheiten"

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Eugène Burnand, Die Jünger Johannes und Petrus, am Morgen nach der Auferstehung zum Grab laufend (1898)  Eugène Burnand, Die Jünger Johannes und Petrus, am Morgen nach der Auferstehung zum Grab laufend (1898)

Es gibt nicht echte, tiefe Erfahrung ohne Vernunfterkenntnis und keine tiefe Vernunfterkenntnis ohne Erfahrung. Man kann beide nicht gegeneinander ausspielen. Aber man kann z.B. erfahrungslose, nur abstrakte Theologie treiben. Das ist zwar irgendwie vernünftig, aber nicht lebendig. Es ist dann eher eine Verkürzung der Vernunft. Die tiefste Erfahrung des Menschen ist Liebe; Liebe, die Gott und den anderen Menschen um seinetwillen lieben kann. Aber Liebe kann der Mensch nur als ein Antwortender geben, wenn er sich zuvor geliebt weiß. Und Liebe, also die konkrete Erfahrung von Liebe und Geliebt-werden, ist nicht vernunftlos, nicht blind. Sie wird nur blind, wenn sie mit Emotion verwechselt wird oder auf Emotion reduziert wird. Aber Liebe, die wirklich den Anderen meint, ist hellsichtig, sie macht sehend, sie macht unser Denken tiefer, unsere Vernunft reicher und umfassender. Und umgekehrt: Unsere Erkenntnis befeuert die Liebe. Erkenntnis, schenkt dem Menschen das, was es lieben soll. Und die Liebe lässt das Erkannte wieder tiefer erkennen. Vernunft und Liebe bilden also eine in sich verschränkte Wechselwirkung als zwei Bewegungen des einen menschlichen Geistes, die wir nicht voneinander abspalten oder gegeneinander ausspielen dürfen. Das Bedürfnis, die Wahrheit von der Liebe zu trennen, kommt in uns allen letztlich aus einem Bedürfnis, die Erfahrung des Kreuzes umgehen zu wollen.

Was Papst Franziskus betrifft scheint es eine Inversion der Einschätzung stattzufinden. Die Traditionalisten, die gewöhnlicher Weise das petrinische Amt verteidigen, sind kritisch. Diejenigen, die ihm kritisch gegenüber standen, sowohl in der Kirche wie auch ausserhalb von ihr, folgen diesen Papst sehr aufmerksam. Woher kommt in diesen Jahren die größte Herausforderung für die Kirche? Aus der Säkularisation? Oder hat diese ihren Weg vollendet? Oder vielleicht aus der Macht? Aus dem Bedürfnis Werte in den Mittelpunkt der Reflexion zu stellen?
Es ist einfacher, über Wahrheit zu reden und sie nur - im abstrakten Sinne - zu denken, als die Wahrheit als Liebe zu leben. Aber die Wahrheit, die die Kirche glaubt, ist immer eine lebendige Person. Und jeder Satz, den die Kirche als wahr verkündet spricht direkt oder indirekt von der Person, die von sich gesagt hat: Ich bin die Wahrheit. Aber diese Person hat eben auch gesagt: Ich bin der Weg und das Leben und das Licht und die Liebe. Wir dürfen  nicht eine Wahrheit losgelöst von der Weggestalt des Glaubens und von der liebenden Zuwendung zu den Menschen wie eine Art statischen Besitz verwalten. Die Liebe gibt sich hin. Sie lässt sich kreuzigen - für den Anderen. Sie wäscht auch dem die Füße, der sie vielleicht hasst, oder dem, der vermeintlich „draußen“ ist, außerhalb der Kirche. Gelebte Liebe in der Kirche, will ja zusammen mit ihrem Herrn, dass „alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2,4). 



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